Ein Pirschgang im Südburgenland, bei dem eine Geiß für Sekunden alles stillstehen ließ.
Das Thermometer zeigt 38 Grad im Schatten in Rechnitz, Südburgenland. Es ist früher Nachmittag, und ich bin mit unseren Jungjägern Misel und Stephan im Revier auf Pirschgang unterwegs.
Die sonst so belebten Wiesen sind wie leergefegt, das Gras ist teilweise schon vertrocknet. Jetzt hilft nur die Pirsch entlang der kühlen Waldränder und schattigen Dickungen. Jeder Schritt muss sitzen.
Die Hitze erschwert das Ansprechen und die Konzentration. Wer jetzt unachtsam ist, verrät sich sofort durch das Knacken trockener Äste. Das Fernglas ist das wichtigste Werkzeug, um die dunklen Körper des jagdbaren Wildes zu entdecken, das sich ins schattige Unterholz zurückgezogen hat.
Plötzlich, an einer Lichtung, ein winziges, rotes Aufflackern im Augenwinkel. Eine Geiß — erst ab 16. August frei — sicherte am Rande der Dickung direkt in unsere Richtung. Unser Puls schoss in die Höhe. Wir verharrten regungslos.
In Sekundenbruchteilen war es vorbei. Die Geiß sprang ab, fegte mit weiten Sätzen über die Lichtung und verschwand im schützenden Altholz. Unser Herz klopfte bis zum Hals.
Genau dieser Moment — das plötzliche Erkennen, die Spannung und das rasche Abspringen — ist das, was die Pirschjagd so faszinierend und unberechenbar macht.
Weidmannsheil, Euer Erich